Peter Kreinberg und The Gentle Touch® verständlich erklärt

Reiterin mit Helm und Sattel neben braunem Pferd. Peter Kreinberg hat dieses Bild aufgenommen.

Geschrieben von

Birgitta Beer

Veröffentlicht am

7. Nov. 2026

Inhaltsverzeichnis

Ein guter Reitlehrer zeigt nicht nur, welche Hilfe zum richtigen Zeitpunkt kommt, sondern erklärt auch, warum das Pferd darauf vertrauen kann. Peter Kreinberg steht im deutschen Reitsport vor allem für eine pferdegerechte Verbindung aus Horsemanship, klassischer Ausbildung, Bodenarbeit und einem ausbalancierten Sitz. Ich ordne ein, wer hinter der Methode The Gentle Touch® steht, wie sie praktisch funktioniert und worauf Reiter bei der Umsetzung achten sollten.

Die wichtigsten Gedanken hinter Kreinbergs Ausbildungsweg

  • Peter Kreinberg ist ein langjähriger Ausbilder für Pferde und Reiter sowie Entwickler der Methode The Gentle Touch®.
  • Im Mittelpunkt stehen Balance, verständliche Hilfen und freiwillige Kooperation statt Druck.
  • Die Ausbildung verbindet Bodenarbeit, Leitseilarbeit und Reiten zu einem aufeinander aufbauenden System.
  • Das Konzept richtet sich an verschiedene Reitweisen und Pferdetypen, ersetzt aber keine individuelle Beurteilung.
  • Gute Ergebnisse entstehen nicht durch einzelne Tricks, sondern durch regelmäßiges, ruhiges Training.

Wer Peter Kreinberg im Reitsport bekannt gemacht hat

Peter Kreinberg ist seit Jahrzehnten als Ausbilder, Autor und Referent im Bereich Westernreiten, Horsemanship und Equitation tätig. Bekannt wurde er besonders durch die von ihm entwickelte The-Gentle-Touch-Methode, kurz TGT®, die den Menschen ebenso konsequent in die Ausbildung einbezieht wie das Pferd.

Sein Ansatz ist nicht auf eine einzelne Rasse oder Disziplin beschränkt. Er verbindet Elemente der klassischen kalifornischen Reitweise, der Kampagne-Reiterei und des amerikanischen Natural Horsemanship. Für mich liegt die Stärke dieses Gedankens darin, dass nicht das Etikett der Reitweise entscheidet, sondern die Qualität der Kommunikation.

Gemeinsam mit Rika Kreinberg bietet er Lehrgänge, Praxisseminare und Ausbildungsgänge an. Dabei geht es nicht nur um spektakuläre Lektionen, sondern um grundlegende Fragen wie Körpergefühl, Timing, Führposition, Zügelführung und die Reaktion des Pferdes auf kleinste Signale.

Was hinter The Gentle Touch® wirklich steckt

Der Name klingt weich, doch die Methode ist keineswegs beliebig. The Gentle Touch® beschreibt eine klare und fein dosierte Kommunikation, bei der das Pferd Hilfen verstehen und möglichst ohne Angst beantworten soll. Sanft bedeutet hier nicht, jede Reaktion laufen zu lassen. Es bedeutet, konsequent zu sein, ohne unnötige Härte aufzubauen.

Der Reiter beginnt bei sich selbst

Viele Probleme entstehen nicht beim Pferd, sondern durch widersprüchliche Signale des Menschen. Ein Reiter möchte langsamer werden, hält aber gleichzeitig mit dem ganzen Körper fest. Oder er fordert eine Biegung, verschiebt dabei jedoch unbewusst sein Gewicht. Kreinbergs Ausbildungsphilosophie setzt deshalb stark auf einen funktionalen Balance-Sitz.

Ein ausbalancierter Sitz ermöglicht dem Pferd, den Rücken freier zu bewegen. Der Reiter muss dann weniger über die Hand korrigieren. Genau hier sehe ich einen wichtigen praktischen Vorteil: Wer zuerst seine eigene Haltung, Atmung und Koordination verbessert, braucht später oft deutlich weniger Kraft.

Hilfen sollen für das Pferd lesbar bleiben

Eine Hilfe besteht nicht nur aus einem Zügelzug oder einem Schenkeldruck. Sie hat einen Zeitpunkt, eine Richtung und eine gewünschte Antwort. Entscheidend ist, dass der Reiter den Druck wieder reduziert, sobald das Pferd richtig reagiert. Dieses Timing von Signal und Nachlassen wird häufig unterschätzt.

Bleibt die Einwirkung zu lange bestehen, kann das Pferd abstumpfen oder sich verspannen. Wird sie zu früh beendet, fehlt die Klarheit. Ich würde deshalb lieber mit wenigen, gut erkennbaren Signalen arbeiten als mit einer langen Kette kleiner Korrekturen.

So lässt sich der Ansatz im Alltag nutzen

Die Methode zeigt ihren Wert nicht erst im Seminar, sondern bei ganz gewöhnlichen Situationen. Führen, Anhalten, Rückwärtsrichten, Wenden und das ruhige Stehen bilden die Basis für spätere Arbeit unter dem Sattel. Bodenarbeit ist dabei kein Zeitvertreib, sondern eine Möglichkeit, Verständigung ohne das zusätzliche Gewicht des Reiters zu überprüfen.

Führen und Abstand kontrollieren

Beim Führtraining sollte das Pferd weder auf die Schulter des Menschen drängen noch weit hinterherlaufen. Ein sinnvoller Abstand hängt von der Übung ab, doch die Position bleibt für das Pferd nachvollziehbar. Reagiert es auf ein leichtes Signal mit einem Schritt zurück oder zur Seite, wird die Hilfe sofort wieder kleiner.

Das verbessert nicht nur die Aufmerksamkeit. Es kann auch im Alltag mehr Sicherheit bringen, etwa beim Verlassen der Box, beim Durchqueren enger Tore oder beim Verladen. Gerade bei jungen oder unsicheren Pferden ist ein ruhiges, kleinschrittiges Vorgehen meist nachhaltiger als wiederholtes Drängen.

Leitseilarbeit und Übergänge

In der Leitseilarbeit wird das Pferd auf größere Distanz angesprochen. Der Mensch kann dadurch Bewegungsrichtung, Tempo und Stellung beobachten, ohne ständig am Pferdekopf zu stehen. Wichtig ist, die Leine nicht als dauerhafte Begrenzung zu benutzen, sondern als vorübergehendes Kommunikationsmittel.

Übergänge sind besonders aussagekräftig. Wird das Pferd aus dem Schritt in den Halt langsamer, bleibt dabei gerade und wartet auf die nächste Aufgabe, funktioniert die Kommunikation bereits recht gut. Eilt es davon, fällt über die Schulter oder wird hektisch, sollte ich die Übung vereinfachen, statt die Einwirkung zu verstärken.

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Die Verbindung zum Reiten

Unter dem Sattel wird aus der Bodenübung keine mechanische Kopie. Der Reiter muss zusätzlich sein Gewicht, seine Sitzknochen und seine Beine koordinieren. Der Grundgedanke bleibt jedoch gleich: Signal geben, Reaktion abwarten, richtiges Verhalten bestätigen.

Besonders sinnvoll ist dieser Aufbau bei Übergängen, dem Anreiten aus dem Halt, dem Rückwärtsrichten und einfachen Wendungen. Das Ziel sollte nicht sein, möglichst schnell eine Lektion vorzuführen. Entscheidend ist, ob das Pferd dabei locker bleibt, regelmäßig atmet und die Aufgabe ohne Widerstand ausführt.

Für welche Reiter und Pferde passt dieser Weg

Der Ansatz kann für Freizeitreiter, ambitionierte Sportreiter, Trainer und Pferdebesitzer interessant sein, die ihre Kommunikation verbessern möchten. Er eignet sich grundsätzlich für verschiedene Rassen, Ausbildungsstände und Reitweisen. Das heißt allerdings nicht, dass jede Übung für jedes Pferd gleich aussieht.

Situation Worauf der Ansatz besonders achtet Was der Reiter prüfen sollte
Junges oder unerfahrenes Pferd Vertrauen, klare Grenzen und kurze Lernschritte Bleibt das Pferd neugierig und ansprechbar?
Verspanntes Pferd Ruhiger Rhythmus, weniger Druck und bessere Balance Wird die Bewegung freier oder nur langsamer?
Erfahrenes Reitpferd Feinere Hilfen, Übergänge und höhere Präzision Reagiert das Pferd auf kleine Signale?

Bei einem Pferd mit Schmerzen, starkem Abwehrverhalten oder plötzlichen Veränderungen im Verhalten reicht Training allein nicht aus. Zuerst müssen Sattel, Zähne, Hufe und gesundheitliche Ursachen geprüft werden. Pferdegerechtes Training beginnt mit einer ehrlichen Ursachenanalyse, nicht mit einer neuen Übung.

Was oft missverstanden wird

Manche Reiter setzen Horsemanship mit völliger Druckfreiheit gleich. Das führt in der Praxis schnell zu unklaren Regeln. Ein Pferd darf Grenzen kennenlernen, solange diese verständlich, verhältnismäßig und fair vermittelt werden. Sanfte Ausbildung heißt nicht, gefährliches Verhalten zu ignorieren.

Ein anderer Irrtum besteht darin, einzelne TGT®-Übungen als fertige Problemlösung zu betrachten. Eine Kreisarbeit oder ein Rückwärtsrichten verbessert nicht automatisch jede Schwierigkeit. Die Wirkung hängt davon ab, ob die Übung zum Ausbildungsstand, zur körperlichen Verfassung und zur aktuellen Stimmung des Pferdes passt.

Auch schnelle sichtbare Erfolge sind mit Vorsicht zu bewerten. Ein Pferd kann eine Aufgabe äußerlich ausführen und innerlich trotzdem angespannt sein. Ich achte deshalb stärker auf Atmung, Takt, Losgelassenheit und die Bereitschaft zur nächsten Aufgabe als auf eine möglichst spektakuläre Bewegung.

Wie man einen passenden Kurs sinnvoll auswählt

Wer bei Peter Kreinberg oder nach dem TGT®-Konzept lernen möchte, sollte nicht nur auf den Namen des Kurses achten. Entscheidend ist, ob das Ausbildungsformat zur eigenen Erfahrung passt und ob ausreichend Zeit für Rückfragen, Korrekturen und Wiederholungen vorgesehen ist.

  • Für Einsteiger sind Grundlagen zu Sitz, Führposition und Hilfengebung wichtiger als komplexe Lektionen.
  • Für erfahrene Reiter lohnt sich ein Kurs, der unbewusste Gewohnheiten sichtbar macht und die Einwirkung verfeinert.
  • Bei Problemen mit dem eigenen Pferd sollte die individuelle Situation im Unterricht berücksichtigt werden.
  • Bei körperlichen Einschränkungen muss die Belastung angepasst und gegebenenfalls fachlicher Rat eingeholt werden.

Ein guter Kurs lässt Raum für Beobachtung und erklärt die Ursache einer Korrektur. Wenn der Unterricht nur aus Anweisungen besteht, ohne den Zusammenhang zwischen Sitz, Signal und Reaktion zu zeigen, bleibt der Lerneffekt oft oberflächlich. Für mich ist genau diese Nachvollziehbarkeit ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Was von diesem Ausbildungsweg im Stall bleibt

Der nachhaltigste Gedanke aus Kreinbergs Arbeit ist für mich nicht eine bestimmte Handposition oder eine einzelne Bodenarbeitsübung. Es ist die Aufforderung, jede Einwirkung darauf zu prüfen, ob sie für das Pferd verständlich, körperlich machbar und fair dosiert ist.

Wer diesen Maßstab im täglichen Training anlegt, kann viele Übungen aus unterschiedlichen Reitweisen sinnvoll nutzen. Das Pferd muss dabei nicht in ein starres System passen. Entscheidend bleibt eine ruhige Kommunikation, ein gut ausgebildeter Reiter und ein Trainingsplan, der Gesundheit und Vertrauen nicht dem schnellen Ergebnis opfert.

Häufig gestellte Fragen

The Gentle Touch® steht für eine klare, fein dosierte Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Hilfen sollen verständlich sein, bei richtiger Reaktion sofort nachlassen und freiwillige Kooperation ermöglichen. Zum Ansatz gehören unter anderem Balance, Horsemanship, Bodenarbeit und ein ausbalancierter Sitz.

Bodenarbeit überprüft die Verständigung ohne das zusätzliche Gewicht des Reiters. Beim Führen, Anhalten, Rückwärtsrichten und Wenden lernt das Pferd, auf kleine Signale zu reagieren. In der Leitseilarbeit lassen sich zusätzlich Bewegungsrichtung, Tempo und Stellung aus größerer Distanz beobachten.

Ein passendes Training zeigt sich an ruhiger Atmung, regelmäßigem Takt, Losgelassenheit und der Bereitschaft für die nächste Aufgabe. Wird das Pferd hektisch, verspannt oder fällt über die Schulter, sollte die Übung vereinfacht werden, statt den Druck zu erhöhen.

Der Ansatz kann für Freizeitreiter, Sportreiter, Trainer und Pferdebesitzer sowie für verschiedene Rassen, Ausbildungsstände und Reitweisen interessant sein. Die Übungen müssen jedoch individuell angepasst werden. Bei Schmerzen, starkem Abwehrverhalten oder plötzlichen Verhaltensänderungen sollten zunächst Sattel, Zähne, Hufe und mögliche gesundheitliche Ursachen geprüft werden.

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Birgitta Beer

Birgitta Beer

Mein Name ist Birgitta Beer, und ich bringe 15 Jahre Erfahrung in der Pferdehaltung, Gesundheit und Training mit. Meine Leidenschaft für Pferde begann in meiner Kindheit, als ich das erste Mal auf einem Pony saß. Seitdem ist es mein Ziel, das Wohlbefinden dieser wunderbaren Tiere zu fördern und anderen zu helfen, ihre Beziehung zu Pferden zu vertiefen. Ich schreibe über verschiedene Aspekte der Pferdehaltung, von der artgerechten Ernährung bis hin zu effektiven Trainingsmethoden. Ich lege großen Wert darauf, meine Informationen gründlich zu recherchieren und aktuelle Trends in der Pferdewelt zu verfolgen. Dabei ist es mir wichtig, komplexe Themen verständlich zu erklären, sodass sowohl Anfänger als auch erfahrene Pferdeliebhaber davon profitieren können. Mein Ziel ist es, nützliche und präzise Inhalte bereitzustellen, die jedem helfen, das Beste für sein Pferd zu tun.

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