Wer im deutschen Dressursport nach Benjamin Werndl sucht, stößt auf einen Reiter, Ausbilder und Unternehmer, dessen Karriere eng mit sorgfältiger Pferdeausbildung verbunden ist. Von den ersten Erfolgen mit Ponys bis zu internationalen Grand-Prix-Prüfungen zeigt sein Weg, wie viel Geduld, Präzision und Vertrauen zwischen Pferd und Reiter ausmachen.
Die wichtigsten Eckdaten auf einen Blick
- Geboren: 20. Juli 1984, Deutschland
- Disziplin: Dressur bis zum internationalen Grand Prix
- Standort: Aubenhausen in Bayern, gemeinsam mit seiner Schwester Jessica von Bredow-Werndl
- Größter Mannschaftserfolg: Bronze bei der Weltmeisterschaft 2022 in Herning
- Aktuelles Nachwuchspferd: der Hannoveraner Wallach Quick Decision FRH

Wer ist Benjamin Werndl im deutschen Reitsport?
Benjamin Werndl ist ein deutscher Dressurreiter, Pferdeausbilder und Unternehmer. Er wurde am 20. Juli 1984 geboren und lebt beziehungsweise arbeitet in Aubenhausen bei Tuntenhausen in Bayern. Gemeinsam mit seiner Schwester Jessica von Bredow-Werndl betreibt er dort ein renommiertes Ausbildungszentrum für Pferde und Reiter.
Die FEI führt ihn als aktiven deutschen Reiter. Zum zuletzt abrufbaren Stand lag er in der internationalen Weltrangliste der Dressurreiter auf Rang 26. Seine Laufbahn ist dabei nicht nur durch Starts auf höchstem Niveau geprägt, sondern auch durch die Ausbildung junger Pferde bis zur Grand-Prix-Reife.
Was ihn aus meiner Sicht besonders interessant macht, ist die Verbindung aus sportlichem Ehrgeiz und langfristigem Denken. Er spricht nicht nur über Lektionen und Prozente, sondern immer wieder über die Frage, wie ein Pferd Vertrauen, Kraft und Sicherheit entwickeln kann.
Vom Ponyreiter zum Grand-Prix-Athleten
Sein Einstieg in den Reitsport erfolgte über Ponys. Das Pony Dacapo wurde für ihn zum entscheidenden Wendepunkt. Unter der Begleitung seines langjährigen Trainers Stefan Münch entwickelte sich aus dem zunächst vielseitig interessierten Jungen ein ambitionierter Dressurreiter.
Bereits im Nachwuchsbereich sammelte Werndl bedeutende Erfolge. Mit Achill und Sam gehörte er mehrfach zum deutschen Team bei Europameisterschaften der Jungen Reiter. 2005 wurde er Mannschaftseuropameister und gewann zusätzlich Silber in der Einzelwertung. Diese frühen Erfolge legten den Grundstein für den späteren Übergang in den Seniorenbereich.
Mit Sam gelang ihm der Einstieg in den internationalen Grand-Prix-Sport. Später wurde Daily Mirror zu einem wichtigen Partner. Mit diesem Rappwallach erreichte Werndl mehrere Weltcup-Erfolge, nahm 2019 am Weltcup-Finale in Göteborg teil und arbeitete sich dauerhaft in die deutsche Spitze vor.
Die FN nennt ihn seit 2019 als Mitglied des deutschen Olympiakaders. Sein erster großer Championatsauftritt bei den Senioren folgte 2022. Der Weg dorthin verlief nicht geradlinig, sondern über viele Jahre konsequenter Aufbauarbeit. Genau das wird im Spitzensport oft unterschätzt: Ein einzelnes gutes Ergebnis ist sichtbar, die tausenden unspektakulären Trainingseinheiten davor bleiben es nicht.
Die wichtigsten Pferde in seiner Karriere
Werndls sportliche Entwicklung lässt sich kaum von seinen Pferden trennen. Jedes Pferd stand für eine andere Phase seiner Laufbahn und brachte eigene Stärken, Herausforderungen und Lernaufgaben mit.
| Pferd | Bedeutung für die Karriere | Besondere Erfolge |
|---|---|---|
| Dacapo | Wichtiger Einstieg in die Dressur | Aufbau im Ponybereich |
| Sam | Früher Grand-Prix-Partner | Nachwuchs- und internationale Erfolge |
| Daily Mirror | Langjähriger Partner im internationalen Sport | Weltcupsiege und Weltcup-Finale 2019 |
| Famoso OLD | Championats- und Grand-Prix-Pferd | WM-Bronze 2022 mit der deutschen Mannschaft |
| Quick Decision FRH | Aktueller Grand-Prix-Partner | Platz drei im Louisdor-Finale 2025 und Siege 2026 |
Besonders prägend war Famoso OLD. Bei der Weltmeisterschaft 2022 in Herning gewann das Paar mit der deutschen Mannschaft Bronze. In den Einzelprüfungen belegte Werndl den fünften Platz im Grand Prix Special und den vierten Platz in der Kür.
Der Tod von Famoso im April 2024 war ein schwerer Einschnitt. Der 15-jährige Wallach musste nach einem komplizierten Beinbruch erlöst werden. Solche Ereignisse zeigen eine Seite des Reitsports, die in Ergebnislisten nicht auftaucht: Hinter jedem sportlichen Plan steht ein lebendes Tier, dessen Gesundheit immer Vorrang vor einer möglichen Platzierung haben muss.
Quick Decision und der aktuelle sportliche Weg
Nach dem Ende der großen Karriere von Daily Mirror und dem Verlust von Famoso rückte Quick Decision FRH stärker in den Mittelpunkt. Der 2016 geborene Hannoveraner Wallach stammt von Quaterhall ab, sein Muttervater ist Rotspon. Zuvor wurde er unter anderem von Uta Gräf bis zum S-Niveau ausgebildet.
Im Louisdor-Finale 2025 belegten Werndl und Quick Decision mit 70,660 Prozent den dritten Platz. Die Prüfung war nicht völlig fehlerfrei, zeigte aber deutlich, dass sich das Paar im Grand-Prix-Programm weiterentwickelt. Besonders die letzte Mittellinie und die Übergänge zwischen Piaffe und Passage wurden als wichtige Fortschritte wahrgenommen.
Die Saison 2026 begann vielversprechend. Beim CDI3* in Ornago gewann das Paar den Grand Prix für die Kür und anschließend die Kür mit 77,95 Prozent. In München folgte im Grand Prix ein dritter Platz mit 72,652 Prozent, im Grand Prix Special erreichten beide 73,064 Prozent und Platz vier.
Diese Ergebnisse sollte man realistisch einordnen. Quick Decision ist ein talentiertes Pferd, aber noch kein fertiges Produkt. Gerade im Grand Prix entscheiden kleine Details über mehrere Prozentpunkte. Takt, Geraderichtung, Durchlässigkeit und die Qualität der Übergänge müssen auch unter Turnierdruck stabil bleiben.
Parallel entwickelt Werndl weitere Pferde. In Ornago gewann der damals neunjährige Fosbury OLD seine ersten internationalen Prüfungen auf Intermediaire-Niveau. Für mich zeigt das, dass in Aubenhausen nicht nur auf ein einzelnes Spitzenpferd gesetzt wird, sondern auf einen langfristigen Ausbildungsplan mit mehreren Entwicklungsstufen.
Was Reiter von seinem Ausbildungsansatz lernen können
Werndls Arbeit lässt sich nicht einfach durch einzelne Übungen kopieren. Interessanter ist die Grundhaltung dahinter. Pferd und Reiter sollen sich zu einer Partnerschaft entwickeln, in der technische Präzision nicht gegen Vertrauen ausgespielt wird.
Die Ausbildung beginnt nicht mit spektakulären Lektionen
Im Training entscheidet zunächst die Basis. Ein Pferd muss sich losgelassen bewegen, gleichmäßig an die Hand herantreten und den Reiter sicher über den Rücken tragen. Erst danach werden anspruchsvollere Lektionen wie Piaffe, Passage oder Serienwechsel sinnvoll.
Ich halte diesen Punkt für besonders wichtig, weil viele Reiter zu früh auf sichtbare Höhepunkte hinarbeiten. Ein Pferd, das zwar eine schwierige Lektion zeigt, dabei aber fest im Rücken oder unsicher im Kontakt ist, braucht nicht mehr Druck, sondern eine bessere Grundlage.
Das Pferd muss körperlich und mental bereit sein
Grand-Prix-Dressur verlangt Kraft, Koordination und Konzentration. Ein Trainingsplan sollte deshalb verschiedene Elemente verbinden, darunter Dressurarbeit, Schrittphasen, Ausgleichsarbeit und ausreichende Erholung. Regeneration ist kein Trainingsausfall, sondern ein Teil der Ausbildung.
Auch der Reiter selbst muss fit und beweglich bleiben. Werndls systematische Vorbereitung mit Lauftraining und zusätzlicher körperlicher Arbeit passt zu diesem Ansatz. Eine unabhängige, ausbalancierte Sitzposition hilft dem Pferd mehr als ständig stärkere Hilfen.
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Fehler müssen analysiert werden, ohne das Pferd zu überfordern
Im Spitzensport werden Prüfungen detailliert ausgewertet. Das bedeutet aber nicht, jede Abweichung sofort mit mehr Wiederholungen zu beantworten. Manchmal entsteht ein Fehler aus Müdigkeit, fehlender Kraft oder einer zu schwierigen Aufgabe zum falschen Zeitpunkt.
Für den Alltag empfehle ich deshalb, nach jeder anspruchsvollen Einheit nur zwei Fragen festzuhalten: Was hat zuverlässig funktioniert und welcher Punkt braucht beim nächsten Mal eine ruhigere Vorbereitung? Diese einfache Dokumentation schafft Klarheit, ohne das Training unnötig kompliziert zu machen.
Warum sein Weg für Pferdefreunde interessant bleibt
Benjamin Werndl steht für eine Form des Dressursports, bei der sportlicher Erfolg und pferdegerechte Ausbildung zusammengehören sollen. Seine wichtigsten Stationen zeigen, dass Spitzenleistungen selten plötzlich entstehen. Sie wachsen aus passenden Pferden, konsequenter Arbeit, fachlicher Unterstützung und einem ehrlichen Blick auf die Grenzen des jeweiligen Pferdes.
Für Freizeitreiter liegt darin eine praktische Erkenntnis. Gute Ausbildung beginnt nicht mit hohen Lektionen, sondern mit Vertrauen, Takt, Losgelassenheit und einem gesunden Pferd. Wer diese Grundlagen ernst nimmt, schafft die besten Voraussetzungen für Fortschritte, unabhängig davon, ob das Ziel eine Prüfung oder einfach eine harmonische tägliche Arbeit ist.