Wer die deutsche Dressur verfolgt, kommt an Jessica von Bredow-Werndl kaum vorbei. Die Reiterin aus Bayern gewann mit TSF Dalera BB insgesamt vier olympische Goldmedaillen und steht zugleich für eine pferdegerechte, partnerschaftliche Ausbildung. Hier geht es um ihre Laufbahn, die wichtigsten Erfolge, ihre Pferde und die Trainingsprinzipien, die auch ambitionierten Freizeitreitern Orientierung geben.
Die wichtigsten Fakten zu ihrer Karriere auf einen Blick
- Geboren: 16. Februar 1986 in Rosenheim
- Disziplin: internationale Dressur bis Grand-Prix-Niveau
- Olympia: vier Goldmedaillen in Tokio 2021 und Paris 2024
- Erfolgspferd: TSF Dalera BB, eine Trakehnerstute
- Heutiger Schwerpunkt: die Entwicklung neuer Pferde in Aubenhausen

Wer die bayerische Dressurreiterin ist
Die gebürtige Rosenheimerin saß bereits mit vier Jahren zum ersten Mal im Sattel. Mit sieben bekam sie ihr erstes Pony. Der Reitsport war in ihrer Familie fest verankert, denn auch ihr Bruder Benjamin Werndl wurde später erfolgreicher Dressurreiter.
Ihre frühen Erfolge feierte sie im Ponysport und bei den Junioren. Mit Nino the Champ qualifizierte sie sich für das Bundeschampionat, später gewann sie mit Bonito und Duchess mehrere Medaillen bei Europameisterschaften der Junioren und Jungen Reiter. Für mich zeigt diese Entwicklung, dass ihre Karriere nicht plötzlich mit einem internationalen Titel begann, sondern auf jahrelanger systematischer Ausbildung aufbaute.
Heute arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Bruder auf Gut Aubenhausen in Oberbayern. Dort verbinden die Geschwister Ausbildung, Turniersport und die Entwicklung junger Pferde. Die Anlage ist damit nicht nur Trainingsort, sondern auch ein Beispiel dafür, wie professioneller Reitsport mit täglicher Stallarbeit und langfristiger Pferdebetreuung verbunden werden kann.
Die größten Erfolge im Dressursport
Der internationale Durchbruch gelang der Reiterin vor allem mit TSF Dalera BB. 2018 gewann sie mit der deutschen Mannschaft den Weltmeistertitel. Danach folgten mehrere Europameisterschaftsmedaillen und Siege im FEI-Dressurweltcup.
| Jahr | Erfolg | Bedeutung |
|---|---|---|
| 2018 | Weltmeisterin mit der Mannschaft | Der erste große Titel auf Weltniveau |
| 2021 | Doppelgold in Tokio | Sieg in der Einzel- und Mannschaftsdressur |
| 2022 | Sieg im Weltcupfinale | Erster Weltcupfinalerfolg mit Dalera |
| 2023 | Erneuter Weltcupsieg und EM-Gold | Bestätigung ihrer konstanten Spitzenleistung |
| 2024 | Doppelgold in Paris | Einzel- und Mannschaftssieg mit demselben Pferd wie 2021 |
Besonders außergewöhnlich sind die Olympischen Spiele. In Tokio 2021 und Paris 2024 gewann das Paar jeweils Gold in der Einzel- und Mannschaftswertung. Damit gehört die Kombination aus Reiterin und Pferd zu den seltenen Partnerschaften, die bei zwei aufeinanderfolgenden Spielen vier olympische Siege erreichen konnten.
Auch die Kür, also die frei zusammengestellte Prüfung mit Musik, spielte dabei eine wichtige Rolle. Sie verlangt nicht nur präzise Lektionen, sondern auch Rhythmus, Ausdruck und eine stimmige Choreografie. Genau dort wurde sichtbar, wie eng die beiden aufeinander reagierten.
Warum die Partnerschaft mit Dalera so besonders war
TSF Dalera BB ist eine Trakehnerstute und wurde unter der Reiterin zu einem der bekanntesten Dressurpferde der vergangenen Jahre. Ihre Stärke lag nicht allein in spektakulären Bewegungen, sondern in der Kombination aus Ausdruck, Lernbereitschaft und großer Verlässlichkeit.
In der Dressur sind Piaffe und Passage besonders anspruchsvoll. Bei der Piaffe tritt das Pferd nahezu auf der Stelle mit hoher Versammlung, während die Passage eine stark erhabene, verlangsamte Trabbewegung ist. Beide Lektionen verlangen Kraft und Balance, funktionieren aber nur dauerhaft, wenn das Pferd mental ruhig bleibt.
Nach den Olympischen Spielen in Paris wurde Dalera aus dem Sport verabschiedet. Diese Entscheidung halte ich für ein wichtiges Signal. Ein erfolgreiches Pferd muss nicht so lange weiterlaufen, bis die Leistung sichtbar nachlässt. Der richtige Zeitpunkt für eine Pause oder den Ruhestand gehört ebenso zu verantwortungsvoller Sportplanung wie die Vorbereitung auf den nächsten Wettkampf.
Dalera wird weiterhin umsorgt und genoss zuletzt viel Zeit auf der Weide. Nach aktuellen Berichten erwartete die Stute außerdem ihr erstes Fohlen. Gerade dieser Übergang vom Hochleistungssport in ein ruhigeres Leben macht deutlich, dass ein Pferd nicht auf seine Turnierergebnisse reduziert werden sollte.
Was Freizeitreiter aus ihrem Training lernen können
Natürlich lässt sich der Alltag einer Olympiareiterin nicht eins zu eins auf jedes Reitpferd übertragen. Trotzdem sind einige Grundsätze sehr alltagstauglich. Einer davon ist die genaue Beobachtung des Pferdes, bevor überhaupt an eine neue Lektion gedacht wird.
Gesundheit kommt vor Leistung
Ein Pferd, das Schmerzen hat oder dauerhaft gestresst ist, kann keine korrekte Dressur zeigen. Taktfehler, Widerstand oder plötzlich fehlende Motivation sind deshalb nicht automatisch Ungehorsam. Ich würde zuerst Haltung, Sattel, Zähne, Hufe und Trainingsbelastung prüfen, bevor ich stärker einwirke.
Abwechslung hält das Pferd mental frisch
Auch ein Dressurpferd braucht Bewegung außerhalb des Vierecks. Weidegang, ruhige Ausritte, Bodenarbeit und freie Tage können die Muskulatur und die Konzentration unterstützen. Besonders überzeugend finde ich den Ansatz, Pferde regelmäßig nach draußen zu bringen, statt sie ausschließlich in der Halle oder auf dem Platz zu arbeiten.
Kleine Fortschritte sind belastbarer
Eine Lektion sollte erst dann schwieriger werden, wenn die vorherige Stufe sicher und entspannt funktioniert. Wer ständig mehr Versammlung fordert, obwohl Takt und Losgelassenheit fehlen, erzeugt häufig Spannung. Qualität vor Höhe und Schwierigkeit ist ein Prinzip, das für ein Grand-Prix-Pferd genauso gilt wie für ein Freizeitpferd.
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Der Reiter muss sich selbst mittrainieren
Ein ausbalancierter Sitz, ruhige Hände und ein unabhängiger Schenkel beeinflussen die Kommunikation stärker als viele zusätzliche Hilfsmittel. Die Profireiterin betont regelmäßig, wie wichtig die eigene Fitness und mentale Vorbereitung sind. Für Amateurreiter können schon kurze Einheiten für Gleichgewicht, Beweglichkeit oder Atemkontrolle einen deutlichen Unterschied machen.
Wie es nach Dalera weitergeht
Nach dem Ende von Daleras Turnierkarriere liegt der Fokus stärker auf neuen Pferden. Mit Diallo BB gelang 2025 ein bemerkenswerter Einstieg in den internationalen Sport. Der Hannoveraner gewann unter anderem in Stuttgart die Weltcup-Kür mit 83,095 Prozent. Das ist ein starkes Ergebnis, bedeutet aber nicht automatisch, dass ein neues Pferd sofort dieselbe Rolle wie Dalera übernehmen kann.
Im Jahr 2026 zeigen die FEI-Ergebnisdaten außerdem Erfolge mit Times Kismet. Der Sieg im Grand Prix von München-Riem mit 74,522 Prozent unterstreicht, dass die Reiterin weiterhin auf hohem Niveau arbeitet und mehrere Pferde entwickelt. Gerade diese Übergangsphase ist sportlich interessant, weil sich eine langjährige Spitzenpartnerschaft nicht einfach kopieren lässt.
Bei jungen oder noch unerfahrenen Pferden muss das Training meist langsamer aufgebaut werden. Der Körper entwickelt sich weiter, die Routine im Viereck fehlt und jede neue Umgebung kann die Konzentration beeinflussen. Wer hier nur auf schnelle Prozente schaut, übersieht leicht die wichtigere Frage, ob das Pferd langfristig gesund, motiviert und belastbar bleibt.
Für die deutsche Dressur bedeutet dieser Wechsel zugleich eine neue Generation. Die Erfolge mit Dalera bleiben außergewöhnlich, doch nachhaltiger Sport entsteht nicht durch ein einziges Wunderpferd, sondern durch gute Ausbildung, passende Pausen und ein Team, das die Bedürfnisse des Pferdes ernst nimmt.
Was von dieser Karriere im Stallalltag bleibt
Die größten Titel machen Jessica von Bredow-Werndl zu einer der erfolgreichsten Dressurreiterinnen Deutschlands. Noch lehrreicher finde ich jedoch den Weg dorthin: frühe Grundlagen, geduldige Ausbildung, ein genauer Blick auf das Pferd und der Mut, nach großen Erfolgen neue Ziele zu beginnen.
Wer davon etwas übernehmen möchte, sollte nicht die spektakulärsten Lektionen kopieren. Sinnvoller ist es, Gesundheit, Vertrauen und regelmäßige Abwechslung zum Maßstab des eigenen Trainings zu machen. Genau daraus entsteht eine Partnerschaft, die nicht nur im Turnier funktioniert, sondern auch im täglichen Umgang mit dem Pferd.