Beim Touchieren geht es nicht um grobes Antreiben, sondern um eine kurze, präzise Berührung, die dem Pferd eine klare Information gibt. Richtig eingesetzt, kann diese Hilfe in der Bodenarbeit, an der Hand und bei der Vorbereitung gymnastizierender Lektionen nützlich sein, etwa wenn Reaktion, Takt oder Beinaktion sauberer werden sollen. Entscheidend ist aber die Abgrenzung: Feine Ausbildungshilfe, verbotene Methode am Sprung und unnötiger Druck werden im Alltag schnell durcheinandergebracht.
Das musst du über das Touchieren am Pferd wissen
- Touchieren meint eine gezielte, kurze Berührung mit Gerte oder Peitsche, keine Schläge und keinen Dauerdruck.
- In der Ausbildung wird es vor allem genutzt, um Vorwärts, Reaktion, Untertreten oder einzelne Lektionen vom Boden aus zu erklären.
- Besonders relevant ist die Methode bei Handarbeit, Longenarbeit und beim Aufbau von Lektionen wie dem Spanischen Schritt.
- Seit 2022 ist das Touchieren am Sprung im deutschen Turniersport verboten; zulässige, leichte Gertenhilfen in der Ausbildung sind etwas anderes.
- Ob eine Anwendung sinnvoll ist, hängt stark von Timing, Klarheit, Pferdetyp und dem Ausbildungsstand ab.
- Wenn das Pferd Spannung, Abwehr oder Verwirrung zeigt, ist meist nicht mehr Druck nötig, sondern eine sauberere Vorbereitung.
Was beim Touchieren des Pferdes wirklich gemeint ist
Wenn ich über Touchieren spreche, meine ich eine kurze, erklärende Berührung mit einer Gerte, einem Stick oder einer Peitsche. Der Reiz soll nicht „durchgesetzt“ werden, sondern eine Reaktion auslösen, die das Pferd lernen und wiedererkennen kann. Genau deshalb ist die Qualität der Hilfe wichtiger als ihre Stärke.
In der klassischen Ausbildung kann diese Berührung an verschiedenen Stellen eingesetzt werden, je nachdem, was das Pferd verstehen soll. An Schulter oder Brust hilft sie oft bei Vorwärts oder beim ersten Anheben einer Gliedmaße, weiter hinten eher bei Aktivität aus der Hinterhand. Für mich ist das kein Trick, sondern eine Form von Körpersprache mit klarer Grenze.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zum Barren und zu jeder Form von grober Einwirkung. Beim sauberen Touchieren soll das Pferd informiert werden, nicht erschreckt oder zu einer Leistung gezwungen werden. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob die Methode Ausbildung bleibt oder in problematische Praxis kippt. Von dort ist der Schritt zur Frage naheliegend, wofür man die Hilfe überhaupt sinnvoll einsetzt.
Wofür ich die Hilfe in der Ausbildung nutze
Ich setze Touchieren dort ein, wo das Pferd eine Bewegung noch nicht sicher verstanden hat oder eine Lektion zusätzliche Klarheit braucht. Das ist vor allem in der Handarbeit und an der Longe sinnvoll, seltener und deutlich vorsichtiger unter dem Sattel. Je jünger oder unerfahrener das Pferd ist, desto kleiner muss der Reiz ausfallen.
- Vorwärtsimpuls - ein kurzes, gut getimtes Touchieren kann auslösen, dass das Pferd energischer vorwärts denkt.
- Beinheben - beim Spanischen Schritt oder bei vorbereitenden Gymnastizierungen hilft eine leichte Berührung oft beim ersten Verständnis.
- Untertreten und Aktivität der Hinterhand - feine Reize können das Pferd motivieren, die Hinterbeine bewusster zu benutzen.
- Rückwärtsrichten und Seitwärtsverständnis - wenn Stimme, Körperposition und Berührung zusammenpassen, wird die Lektion klarer.
Gerade beim Spanischen Schritt wird oft unterschätzt, wie wichtig ein ruhiger Aufbau ist. Das Pferd soll nicht dauernd „hochgehen“, sondern nur auf das Signal reagieren und danach wieder loslassen können. Wenn es dauerhaft anbietet, ist die Hilfe meist schon zu laut oder zu häufig. Damit das in der Praxis funktioniert, braucht es einen sauberen Aufbau.

So baue ich die Hilfe im Alltag sauber auf
Bevor ich überhaupt touchiere, muss das Pferd im Arbeitsmodus sein. Ein brauchbarer Rahmen sind etwa 10 Minuten Lösen in Schritt und Trab, damit Muskulatur, Aufmerksamkeit und Takt überhaupt bereit sind. Ein kaltes oder innerlich unruhiges Pferd lernt die feine Hilfe schlechter und reagiert schneller mit Spannung als mit Verständnis.
Erst vorbereiten, dann touchieren
Ich beginne mit einfachen, bekannten Aufgaben. Das Pferd soll wissen, was von ihm erwartet wird, bevor ich den Reiz ergänze. Wenn die Grundreaktion auf Stimme, Körperhaltung oder Zügel-/Seilführung noch nicht sitzt, ist Touchieren zu früh.
Der Reiz muss klein und eindeutig sein
Ein guter Reiz ist kurz, in der Intensität begrenzt und an einer klar definierten Stelle gesetzt. Ich arbeite lieber mit einem einzigen, deutlichen Impuls als mit mehreren unklaren Berührungen hintereinander. Das Pferd soll denken: „Das meinte der Mensch“, nicht: „Irgendwo bewegt sich wieder etwas.“
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Die Antwort muss sofort belohnt werden
Sobald das Pferd reagiert, nehme ich die Hilfe weg. Genau dieses Loslassen macht aus Touchieren eine Lernerfahrung. Lob, Stimme, kurze Pause oder ein kleiner Entspannungsmoment sind oft wichtiger als die nächste Wiederholung.
Wenn ich merke, dass ein Pferd nach drei oder vier Versuchen noch keine klare Vorstellung hat, gehe ich einen Schritt zurück: weniger Anspruch, mehr Vorbereitung, einfachere Aufgabe. So entsteht eine Hilfe, die verständlich bleibt, statt sich aufzuschaukeln. Im nächsten Schritt lohnt sich der Blick auf die typischen Fehler, weil dort in der Praxis die meisten Probleme entstehen.
Typische Fehler, die aus einer feinen Hilfe schnell ein Problem machen
Die größte Schwäche beim Touchieren ist selten die Methode selbst, sondern ihr unsauberer Einsatz. Gerade bei jungen oder sensiblen Pferden reichen kleine Fehler, um Misstrauen aufzubauen. Ich achte deshalb besonders auf diese Punkte:
- Zu viel Druck - wenn aus einer Berührung ein Schlag wird, verliert das Pferd Vertrauen und reagiert oft mit Abwehr.
- Zu häufige Wiederholung - wer die gleiche Hilfe dauernd wiederholt, macht sie stumpf und verwischt ihre Bedeutung.
- Falsches Timing - kommt der Reiz zu spät, lernt das Pferd nicht die gewünschte Bewegung, sondern nur Unruhe.
- Unklare Körperposition - wenn der Mensch selbst nicht stabil steht, versteht das Pferd die Hilfe schlechter.
- Zu frühe Steigerung - komplizierte Lektionen ohne solide Basis enden oft in Spannung statt in Gymnastizierung.
Warnsignale sind sehr eindeutig: hochgerissener Kopf, weggedrehte Hinterhand, Schweifschlagen, angehaltene Luft, festes Maul oder das Gefühl, dass das Pferd nur noch „gegen“ die Übung arbeitet. Dann ist nicht mehr Konsequenz gefragt, sondern ein sauberer Schritt zurück. Genau deshalb ist die Abgrenzung zu den sportlichen Regeln so wichtig.
Wo die Grenze zum verbotenen Touchieren am Sprung liegt
Hier wird es für viele Reiter erst wirklich relevant. In Deutschland ist das Touchieren am Sprung im Turniersport nicht erlaubt. Die FN hat das Verbot 2022 beschlossen, weil die Methode in der Praxis zu fehleranfällig ist und die Grenze zwischen angeblich korrekter und falscher Anwendung schwer sauber zu halten war.
Wichtig ist für mich die Unterscheidung zwischen feiner Ausbildungshilfe und einer Methode, bei der das Pferd vor, während oder nach dem Sprung mit einem bewegten Gegenstand getroffen wird. Das ist etwas anderes als eine kurze, erklärende Gertenhilfe in der Handarbeit oder eine pferdegerechte Berührung im Lernprozess. Die Grenze sollte jeder, der mit Pferden arbeitet, glasklar kennen.
| Kontext | Ziel | Status in Deutschland | Praxis-Einordnung |
|---|---|---|---|
| Bodenarbeit und Handarbeit | Reaktion erklären, Vorwärts fördern, Lektionen vorbereiten | Grundsätzlich zulässig, wenn pferdegerecht und fachlich korrekt | Sinnvoll, wenn Timing, Intensität und Vorbereitung stimmen |
| Longenarbeit mit kurzer Berührungshilfe | Hilfen verständlicher machen und Takt stabilisieren | Nur im Rahmen der Ausbildung und mit klarer Rücksicht auf das Pferd | Nur dosiert und nie als Dauerdruck |
| Touchieren am Sprung | Leistung über den Sprung erzwingen | Verboten im deutschen Turniersport | Keine vertretbare Lösung, weil das Fehlerrisiko zu hoch ist |
Für den Stallalltag heißt das: Nur weil eine Berührungshilfe in der Ausbildung vorkommen kann, ist sie noch lange nicht im Sprungkontext akzeptabel. Ich trenne diese Bereiche strikt, weil sonst schnell Gewohnheiten entstehen, die weder pferdegerecht noch regelkonform sind. Von dort ist der Schritt zu den besseren Alternativen nicht weit.
Was ich im Stallalltag heute anders machen würde
Wenn ein Pferd auf Touchieren nicht sauber reagiert, erhöhe ich nicht automatisch den Druck. Ich prüfe zuerst, ob das Signal verständlich war, ob das Pferd körperlich bereit war und ob die Übung überhaupt in dieser Form sinnvoll ist. Sehr oft ist nicht mehr Hilfe die Lösung, sondern eine bessere Vorbereitung.
Ich arbeite dann lieber mit klarerem Körperausdruck, sauberem Stimmkommando, kleineren Lernschritten oder einer einfacheren Vorübung. Bei unsicheren, jungen oder körperlich noch unausgebildeten Pferden ist das meist der schnellere Weg. Und wenn ein Pferd deutliche Spannung zeigt, lohnt sich auch der Blick auf Sattel, Zähne, Rücken und allgemeine Fitness, weil Schmerzen jede Ausbildungshilfe verfälschen können.
Für mich bleibt am Ende ein einfacher Grundsatz: Touchieren ist nur dann gut, wenn das Pferd daraus lernen kann. Sobald es die Hilfe nicht mehr versteht oder nur noch ausweicht, hat die Methode ihren Zweck verfehlt. Wer das im Blick behält, nutzt sie als feines Werkzeug und nicht als Abkürzung.
Die beste Einordnung ist deshalb pragmatisch: kurze, klare Berührung ja, ungeduldiges Nachsetzen nein. In der klassischen Ausbildung kann das eine wertvolle Hilfe sein, im Springsport ist die Grenze in Deutschland dagegen klar gezogen. Wer sein Pferd fair und verständlich schulen will, gewinnt meist mehr über saubere Vorbereitung, gutes Timing und ruhige Wiederholung als über jede zusätzliche Intensität.