Diese drei Werte geben im Stall die schnellste Orientierung
- PAT steht für Puls, Atmung und Temperatur.
- Gemessen wird am besten in Ruhe, sonst sind die Werte kaum vergleichbar.
- Bei erwachsenen Pferden liegen Orientierungswerte meist bei 28 bis 44 Schlägen pro Minute, 8 bis 16 Atemzügen pro Minute und etwa 37,5 bis 38,5 °C.
- Fohlen und junge Pferde haben natürlicherweise höhere Werte als erwachsene Tiere.
- Wichtiger als ein Einzelwert ist der Verlauf über Stunden und Tage.
- Dauerhaft erhöhte Werte, besonders zusammen mit Mattigkeit, Schmerz oder Atemnot, gehören zum Tierarzt.
Was die PAT-Werte wirklich aussagen
Die PAT-Werte messen keine Begabung, keinen Ausbildungsstand und keine sportliche „Qualität“, sondern den aktuellen körperlichen Zustand des Pferdes. Sie geben mir einen schnellen Eindruck davon, wie Kreislauf, Atmung und Thermoregulation im Moment arbeiten. Genau deshalb sind sie so hilfreich: Ein Pferd kann äußerlich noch erstaunlich ruhig wirken, während sich im Inneren schon etwas verändert.
Ich sehe diese drei Werte als Fenster auf den Allgemeinzustand. Fieber, Schmerzen, Stress, beginnende Infekte, Kolik oder Überforderung zeigen sich oft zuerst hier, lange bevor ein Pferd deutlich krank aussieht. Das ersetzt keine Untersuchung, aber es hilft mir, früher zu reagieren und besser einzuschätzen, ob ein Problem harmlos ist oder sich entwickelt. Damit das im Alltag funktioniert, muss die Messung selbst sauber und reproduzierbar sein.

So messe ich Puls, Atmung und Temperatur im Stall
Ich messe immer unter möglichst ähnlichen Bedingungen: ruhiger Ort, gleiche Tageszeit, wenig Ablenkung und das Pferd möglichst entspannt. Direkt nach Arbeit, Transport, Aufregung oder Fütterung sind die Werte nur begrenzt vergleichbar. Wer verlässliche Zahlen will, braucht vor allem Konstanz.
Puls
Den Puls messe ich am liebsten mit den Fingern unter dem Unterkiefer, dort wo die Arterie gut tastbar ist. Alternativ geht es mit einem Stethoskop über dem Herzbereich. Wichtig ist, nicht mit dem Daumen zu fühlen, weil man sonst leicht den eigenen Puls mitmisst. Ich zähle 15 Sekunden und multipliziere mit 4 oder zähle 30 Sekunden und multipliziere mit 2.
Atmung
Die Atemfrequenz erfasse ich, indem ich die Hebung und Senkung der Flanke beobachte oder ruhig am Nüsternbereich mitlese. Ein Atemzug ist immer ein vollständiges Heben und Senken. Auch hier zähle ich am besten 15 Sekunden und rechne auf eine Minute hoch. Direkt nach einem kurzen Schnuppern, nach Bewegung oder bei Nervosität sollte man besser warten, bis das Pferd wieder normal atmet.
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Temperatur
Die Körpertemperatur messe ich rektal mit einem digitalen Thermometer. Dafür verwende ich etwas Gleitmittel, stehe seitlich am Hinterbein und halte den Schweif ruhig zur Seite. Ein digitales Gerät ist im Stall eindeutig praktischer als ein altes Glasthermometer, weil es schneller, sicherer und robuster ist. Die Messung sollte ruhig und ohne Hektik ablaufen, denn Stress verfälscht auch diesen Wert.
Wenn diese drei Schritte sauber ablaufen, wird die Einordnung der Zahlen deutlich verlässlicher. Erst dann lohnt sich der Vergleich mit den üblichen Orientierungswerten.
Diese Richtwerte gelten für gesunde Pferde
Ich bewerte einzelne Messungen immer im Zusammenhang mit Alter, Zustand und Situation des Pferdes. Trotzdem helfen feste Orientierungsbereiche, damit man nicht bei jedem kleinen Ausschlag nervös wird. Die folgenden Werte sind für gesunde Pferde in Ruhe ein guter Anhaltspunkt, auch wenn einzelne Leitfäden leicht abweichende Obergrenzen nennen.
| Wert | Erwachsenes Pferd in Ruhe | Fohlen und Jungpferde | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Puls | 28 bis 44 Schläge pro Minute | deutlich höher, je nach Alter oft 60 bis 120 | Sehr fitte Pferde können im Ruhezustand etwas darunter liegen. |
| Atmung | 8 bis 16 Atemzüge pro Minute | etwa 20 bis 40 | Ruhig, gleichmäßig und ohne sichtbare Anstrengung. |
| Temperatur | etwa 37,5 bis 38,5 °C | oft etwas höher, vor allem bei sehr jungen Fohlen | Kurz nach Arbeit oder bei Hitze darf sie vorübergehend steigen. |
Ich schaue bei diesen Zahlen nie nur auf den Einzelwert, sondern auf das Gesamtbild. Ein leicht erhöhter Puls nach Aufregung ist etwas anderes als ein dauerhaft erhöhter Ruhepuls. Genauso ist eine Temperatur von 38,3 °C an einem heißen Sommertag nicht automatisch bedenklich, während derselbe Wert am frühen Morgen im Stall durchaus auffallen kann. Entscheidend ist, ob der Wert zum Pferd und zur Situation passt.
Genau an dieser Stelle wird der Blick auf Einflussfaktoren wichtig, weil dieselbe Zahl je nach Belastung oder Umgebung sehr unterschiedlich zu bewerten sein kann.
Warum die Werte schwanken können
Puls, Atmung und Temperatur reagieren empfindlich auf äußere und innere Reize. Das ist normal und sogar erwünscht, solange die Werte anschließend wieder in den Ruhebereich zurückgehen. Problematisch wird es erst, wenn sie ohne erkennbare Ursache länger oben bleiben oder nur sehr langsam sinken.
- Bewegung und Training: Puls und Atmung steigen direkt mit der Belastung. Ein trainiertes Pferd erholt sich meist schneller als ein wenig fittenes.
- Hitze und Luftfeuchtigkeit: Bei warmem Wetter nutzt das Pferd die Atmung stärker zur Thermoregulation, die Temperatur kann vorübergehend höher liegen.
- Stress und Aufregung: Transport, Stallwechsel oder fremde Umgebung erhöhen besonders den Puls oft deutlich.
- Schmerz: Kolik, Lahmheit, Hufprobleme oder andere Schmerzen führen häufig zu einem erhöhten Ruhepuls.
- Infekte und Entzündungen: Eine steigende Temperatur ist hier ein klassisches Warnzeichen, oft zusammen mit verändertem Allgemeinbefinden.
- Alter und Kondition: Fohlen haben naturgemäß höhere Werte, sehr fitte Erwachsene können im Ruhezustand niedriger liegen.
Ich finde es praktisch, die Erholung mit zu beobachten: Wenn Puls und Atmung nach dem Reiten oder nach Stress schnell wieder sinken, spricht das für eine gute Belastungsverarbeitung. Bleiben die Werte aber ungewöhnlich lange erhöht, schaue ich genauer hin. Genau daraus ergibt sich die wichtigste Frage im Alltag: Wann ist Beobachten noch okay, und wann muss gehandelt werden?
Wann ich nicht abwarte
Ich werde aufmerksam, wenn die Werte nicht nur etwas über dem gewohnten Bereich liegen, sondern dauerhaft erhöht sind oder zu Beschwerden passen. Ein einzelner Ausreißer ist selten der ganze Befund. Eine Kombination aus hohen Werten und auffälligem Verhalten schon eher.
| Beobachtung | Warum es auffällt | Mein nächster Schritt |
|---|---|---|
| Temperatur über 38,5 °C in Ruhe | Kann auf Infekt, Entzündung oder Hitzestress hinweisen | Erneut messen, Verlauf prüfen, bei Anstieg Tierarzt informieren |
| Temperatur ab etwa 39 °C | Wird deutlich ernster, besonders bei Mattigkeit | Tierarzt kontaktieren |
| Puls in Ruhe über 60 Schläge pro Minute | Passt häufig zu Schmerz, Kreislaufbelastung oder Erkrankung | Ruhe schaffen, erneut messen, Tierarzt rufen |
| Atmung in Ruhe über 20 Atemzüge pro Minute oder sichtbar angestrengt | Kann Atemwegsproblem, Schmerz oder Hitzestress bedeuten | Ursache abklären lassen, nicht weiter belasten |
| Hohe Werte zusammen mit Schwitzen, Kolikzeichen, Appetitverlust oder apathischem Verhalten | Spricht für ein akutes Problem | Tierarzt sofort informieren |
Ich warte in solchen Fällen nicht auf den nächsten Tag. Vor allem bei Kolikverdacht, deutlicher Atemnot, starkem Fieber oder plötzlich verändertem Verhalten zählt Zeit. Je früher die Abweichung ernst genommen wird, desto eher lässt sich die Ursache sinnvoll behandeln. Genau deshalb lohnt es sich, PAT-Werte nicht erst im Notfall zu entdecken, sondern als feste Routine zu nutzen.
So mache ich aus PAT-Werten eine echte Routine
Der größte Nutzen entsteht für mich nicht bei einer einzelnen Messung, sondern im Vergleich über Zeit. Ich will wissen, was für dieses eine Pferd normal ist, nicht nur, was im Lehrbuch steht. Deshalb setze ich auf Wiederholung, gleiche Bedingungen und kurze Notizen statt auf gelegentliche Zufallsmessungen.
- Ich lege einen Normalwert im Ruhezustand an einem ruhigen Tag fest.
- Ich messe regelmäßig, zum Beispiel einmal pro Woche oder zusätzlich nach Transport, Turnier, sehr heißem Wetter oder Krankheit.
- Ich notiere Datum, Uhrzeit, Temperatur im Stall, Arbeit davor und auffälliges Verhalten.
- Ich vergleiche immer mit dem individuellen Ausgangswert, nicht nur mit dem Durchschnitt anderer Pferde.
Für die Praxis reicht oft schon ein kleines Protokoll im Handy oder im Stallkalender. Wer möchte, ergänzt noch Futteraufnahme, Kotabsatz, Trinkverhalten und Bewegungsbild. Dadurch wird aus einer Zahl eine echte Einschätzung. Und genau so wird der Gesundheitscheck nicht kompliziert, sondern alltagstauglich.
Was ein sauberer PAT-Check im Alltag wirklich verändert
Am Ende ist der Nutzen dieser drei Werte erstaunlich schlicht: Sie machen Veränderungen sichtbar, bevor sie offensichtlich werden. Das ist im Stall oft mehr wert als jede theoretische Diskussion über Fitness oder Talent. Ein Pferd, dessen Normalwerte bekannt sind, lässt sich im Alltag viel sicherer einschätzen, weil kleine Abweichungen schneller auffallen.
Ich behandle PAT-Werte deshalb nie isoliert. Erst zusammen mit Verhalten, Futteraufnahme, Kotabsatz, Schleimhautfarbe und Belastbarkeit entsteht ein Bild, das mir wirklich weiterhilft. Genau diese Kombination ist im Alltag das beste Frühwarnsystem für Gesundheit und Training.