Klappriges Pferd - Ursachen erkennen und richtig auffüttern

Eine Frau untersucht ein braunes Pferd, das an mehreren Stellen mit leuchtenden Kreisen markiert ist. Das klapprige Pferd scheint empfindliche Stellen zu haben.

Geschrieben von

Theresia Burger

Veröffentlicht am

28. Okt. 2026

Inhaltsverzeichnis

Ein klappriges Pferd wirkt nicht einfach nur alt, sondern oft deutlich abgebaut, kraftlos oder untergewichtig. Dahinter können Zahnprobleme, Schmerzen, Parasiten, Stoffwechselerkrankungen oder eine unpassende Fütterung stecken. Ich zeige, woran du den Zustand realistisch einschätzt, wann der Tierarzt nötig ist und wie du Fütterung, Haltung und Bewegung sinnvoll anpasst.

Diese Schritte helfen einem abgebauten Pferd am meisten

  • Ursache suchen: Gewichtsverlust ist ein Warnzeichen und keine eigenständige Diagnose.
  • Zähne kontrollieren: Wickelkauen, Futter aus dem Maul und liegen gelassenes Heu sprechen oft für Kauprobleme.
  • Fütterung anpassen: Raufutter bleibt die Basis, bei Zahnproblemen können eingeweichte Heucobs helfen.
  • Notfälle erkennen: Kolikzeichen, Festliegen, starke Schwäche oder verweigerte Futteraufnahme erfordern sofort tierärztliche Hilfe.
  • Fortschritt messen: Fotos, Gewichtsschätzungen und ein Futterprotokoll zeigen besser als der bloße Eindruck, ob das Pferd zunimmt.

Ab wann ist ein Pferd wirklich klapprig oder abgebaut

„Klapprig“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck. Medizinisch entscheidend sind der Körperzustand, der Muskelverlust und das Allgemeinbefinden. Ein älteres Pferd darf etwas weniger Muskulatur haben, sollte aber aufmerksam sein, fressen können und sich schmerzfrei bewegen.

Bei der Beurteilung reicht ein Blick auf die Rippen nicht aus. Ich taste auch den Hals, den Rücken, die Kruppe und den Bereich um die Hüfthöcker ab. Ein Pferd kann am Bauch rund wirken und trotzdem über Rücken und Kruppe deutlich Substanz verloren haben.

Beobachtung Mögliche Bedeutung Was sinnvoll ist
Rippen sichtbar, aber noch gut überdeckt Leichter bis mittlerer Substanzverlust Fütterungsplan und Zähne prüfen lassen
Wirbelsäule, Hüfthöcker und Rippen stark ausgeprägt Deutliche Abmagerung oder Muskelabbau Zeitnah tierärztlich untersuchen lassen
Stumpfes Fell, Schwäche, Teilnahmslosigkeit Mögliche Erkrankung oder starke Unterversorgung Nicht nur mehr Futter geben, sondern Ursache abklären
Gewichtsverlust trotz guter Futteraufnahme Zahn-, Stoffwechsel-, Parasiten- oder Organproblem möglich Blutbild, Zähne und weitere Diagnostik besprechen

Als grobe Orientierung eignet sich der Body Condition Score von 1 bis 9. Die mittleren Werte gelten meist als angemessen, während ein Score im unteren Bereich auf einen kritischen Ernährungszustand hindeuten kann. Die Skala ersetzt allerdings keine Untersuchung, besonders wenn sich der Zustand innerhalb weniger Wochen verändert.

Die häufigsten Ursachen liegen nicht im Alter allein

Das Alter wird bei mageren Pferden schnell als Erklärung akzeptiert. Genau das kann gefährlich sein. Ein Senior darf langsamer abbauen, aber deutlicher oder schneller Gewichtsverlust ist immer ein Anlass zum Nachforschen.

Zähne und Kauen

Abgenutzte Backenzähne, schmerzhafte Zahnfleischtaschen, lockere Zähne oder scharfe Kanten erschweren das Zermahlen von Heu. Typische Hinweise sind Wickelkauen, Futter fällt aus dem Maul, lange Fresszeiten, Mundgeruch oder Heu bleibt liegen.

Auch Erkrankungen der Schneidezähne können das Abbeißen erschweren. Bei älteren Pferden können Zahnprobleme lange unauffällig bleiben, weil sie Schmerzen beim Fressen erstaunlich gut überspielen. Deshalb sollte die Zahnkontrolle nicht erst erfolgen, wenn das Pferd kaum noch fressen kann.

Stoffwechsel und chronische Erkrankungen

Bei älteren Pferden gehört das Equine Cushing-Syndrom, kurz PPID, zu den Erkrankungen, die man im Blick behalten sollte. Hinweise können ein ungewöhnlich langes Fell, verzögerter Fellwechsel, Muskelabbau, vermehrtes Schwitzen, wiederkehrende Infektionen oder Hufrehe sein. Die Diagnose stellt der Tierarzt mit passenden Blutuntersuchungen, denn einzelne Symptome beweisen noch keine PPID.

Auch Leber- oder Nierenerkrankungen, chronische Entzündungen, Magenschmerzen und wiederkehrende Schmerzen können den Körperzustand verschlechtern. Bei Fieber, Durchfall, Leistungseinbruch, starkem Durst oder verändertem Urinabsatz sollte die Untersuchung nicht aufgeschoben werden.

Parasiten und Futterkonkurrenz

Ein Pferd kann ausreichend Futter im Stall haben und trotzdem zu wenig aufnehmen. In einer Gruppe wird es möglicherweise von ranghöheren Tieren verdrängt. Gerade alte oder langsame Pferde brauchen beim Fressen genügend Ruhe und einen eigenen Fressplatz.

Auch Parasiten kommen als Ursache infrage. Eine Entwurmung auf Verdacht ist jedoch keine gute Dauerstrategie. Besser ist ein passendes Vorgehen mit Kotuntersuchung, Anamnese und tierärztlicher Empfehlung, damit weder unnötig behandelt noch ein relevanter Befall übersehen wird.

Was ich zuerst prüfen und dokumentieren würde

Ich würde nicht sofort große Mengen Kraftfutter zufüttern. Zunächst dokumentiere ich den Ausgangszustand mit Seiten- und Rückansichten, möglichst immer unter ähnlichen Bedingungen. Zusätzlich helfen Gewichtsband, Futterprotokoll und tägliche Notizen zu Kot, Trinkmenge und Verhalten.

  1. Futtermenge, Futterqualität und tatsächliche Fressdauer prüfen.
  2. Kontrollieren, ob Heu ausgespuckt, gewickelt oder nur schlecht zerkaut wird.
  3. Zähne, Maul, Hufe, Haut und Bewegungsablauf untersuchen lassen.
  4. Bei anhaltendem Gewichtsverlust Blutbild, Stoffwechsel und Parasiten abklären.
  5. Den Zustand nach zwei bis vier Wochen erneut objektiv beurteilen.

Eine tierärztliche Untersuchung sollte besonders zeitnah erfolgen, wenn das Pferd trotz ausreichendem Futter weiter abnimmt, ungewöhnlich matt wirkt oder Schmerzen zeigt. Bei einem akuten Problem ist Abwarten keine sinnvolle Strategie.

Diese Zeichen sind ein Notfall

Bei häufigem Hinlegen und Aufstehen, Scharren, Schwitzen, Blicken zur Flanke, Wälzen oder fehlendem Kotabsatz muss an eine Kolik gedacht werden. Dann gilt sofort den Tierarzt anrufen, Futter wegnehmen und das Pferd sicher beobachten. Medikamente sollte nur der Tierarzt geben.

Als grobe Ruhewerte gelten bei gesunden erwachsenen Pferden etwa 28 bis 40 Pulsschläge und 8 bis 16 Atemzüge pro Minute. Stark erhöhte Werte, auffällige Schleimhäute, Festliegen oder eine verweigerte Aufnahme von Wasser und Futter verschärfen die Dringlichkeit. Ruhiges Schrittführen kommt nur infrage, wenn das Pferd sicher und dazu körperlich in der Lage ist.

Ein braunes, klappriges Pferd mit dunkler Mähne und Schweif steht im Freien. Der Fokus liegt auf dem Rücken und der Kruppe.

Eine passende Fütterung bringt Substanz zurück

Die Grundlage bleibt hochwertiges Raufutter. Als Planungsgröße werden je nach Quelle und Situation etwa 1,5 bis 2 Kilogramm Trockenmasse je 100 Kilogramm Körpergewicht angesetzt. Das ist nicht automatisch die sichtbare Heumenge, weil Heu Wasser enthält und seine Qualität stark schwankt.

Bei einem 500 Kilogramm schweren Pferd entspricht die untere Größenordnung ungefähr 7,5 Kilogramm Trockenmasse. Ob daraus rund 9 Kilogramm Heu oder deutlich mehr werden, hängt vom Trockensubstanzgehalt und vom tatsächlichen Bedarf ab. Die Ration sollte deshalb berechnet und nicht nur nach Gefühl vergrößert werden.

Wenn das Pferd schlecht kauen kann

Bei Zahnproblemen können eingeweichte Heucobs, passende Faserprodukte oder eingeweichte Rübenschnitzel eine wichtige Hilfe sein. Sie müssen ausreichend quellen und vollständig weich verfüttert werden, denn trockene oder unzureichend eingeweichte Produkte können eine Schlundverstopfung begünstigen.

Solche Futtermittel ersetzen nicht automatisch jede Form von Raufutter. Manche Pferde können noch kurze, weiche Heuhalme aufnehmen, andere brauchen eine weitgehend breiige Ration. Entscheidend ist, dass das Pferd wirklich kaut, frisst und sein Gewicht hält.

Energie, Eiweiß und Mineralstoffe

Zum Auffüttern reicht es selten, einfach mehr Getreide zu geben. Große Kraftfuttermengen können den Verdauungstrakt belasten und sind bei Stoffwechselproblemen besonders ungünstig. Ich bevorzuge eine schrittweise Anpassung mit faserreichen Energieträgern, hochwertigem Eiweiß und einem bedarfsgerechten Mineralfutter.

Öl kann bei manchen mageren Pferden zusätzliche Energie liefern, sollte aber langsam eingeschlichen und nicht als Ersatz für eine ausgewogene Ration betrachtet werden. Bei Hufrehe, PPID, EMS oder stark schwankendem Appetit muss die Fütterung individuell mit Tierarzt oder Fütterungsberatung abgestimmt werden.

Mehrere kleine Mahlzeiten sind oft besser als eine große Portion. Ebenso wichtig sind jederzeit sauberes Wasser, ein Salzleckstein und genügend Zeit zum Fressen. Der wichtigste Fortschritt zeigt sich nicht in einer pralleren Krippe, sondern daran, dass das Pferd konstant frisst, normalen Kot absetzt und langsam an Muskulatur gewinnt.

Haltung und Bewegung müssen zum Zustand passen

Ein stark abgebautes Pferd braucht Schutz vor Kälte, Nässe und Zugluft, besonders wenn es kaum Fettreserven besitzt. Eine Decke kann sinnvoll sein, darf aber nicht automatisch eingesetzt werden. Ich kontrolliere täglich Haut, Temperatur unter der Decke und den Sitz, damit weder Überhitzung noch Scheuerstellen entstehen.

In der Gruppe braucht ein schwaches Tier ausreichend Platz und einen geschützten Rückzugsort. Wenn es beim Fressen verdrängt wird, ist eine zeitweise getrennte Fütterung oft wirksamer als jedes zusätzliche Ergänzungsfutter.

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Bewegung ohne Überforderung

Bewegung hilft, Muskulatur und Beweglichkeit zu erhalten, aber ein mageres Pferd sollte nicht einfach wieder trainiert werden wie ein gesundes Arbeitspferd. Geeignet können kurze Spaziergänge, freier Auslauf oder ruhige Schrittphasen sein, sofern keine Schmerzen oder akute Erkrankungen dagegensprechen.

Bei Lahmheit, steifem Anlaufen oder deutlicher Erschöpfung endet die Einheit sofort. Ein langsamer Aufbau ist sinnvoller als ein ehrgeiziger Trainingsplan. Gerade bei Senioren verbessert regelmäßige, leichte Bewegung oft mehr als seltene lange Arbeit.

Auch Hufe und Zähne gehören in den Betreuungsplan. Lange Hufintervalle, Schmerzen beim Wenden oder ein unpassender Beschlag können den Bewegungsdrang weiter reduzieren und dadurch den Muskelabbau verstärken.

Woran man eine gute Entwicklung erkennt und wann Grenzen erreicht sind

Eine positive Entwicklung braucht Zeit. Zuerst werden Fressverhalten, Kot und Energie stabiler, danach verbessert sich meist der Körperzustand. Muskelaufbau dauert länger als die erste Gewichtszunahme, deshalb sollte ein Pferd nicht nur nach einer volleren Bauchlinie beurteilt werden.

Bleibt das Gewicht trotz Behandlung niedrig, sollte der Plan erneut überprüft werden. Vielleicht reicht die aufgenommene Futtermenge nicht aus, die Zähne bereiten weiterhin Schmerzen oder eine Erkrankung wurde noch nicht erkannt.

Gleichzeitig darf man die Lebensqualität nicht aus dem Blick verlieren. Wenn ein Pferd dauerhaft Schmerzen hat, nicht mehr ausreichend fressen kann, wiederholt schwere Koliken bekommt oder kaum noch sicher stehen und laufen kann, braucht es eine offene tierärztliche Einschätzung. Gute Betreuung bedeutet dann nicht, um jeden Preis Gewicht zu gewinnen, sondern Leid zu verhindern und eine realistische, pferdegerechte Entscheidung zu treffen.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Beurteile nicht nur die sichtbaren Rippen, sondern taste auch Hals, Rücken, Kruppe und Hüfthöcker ab. Stark ausgeprägte Knochen, Muskelverlust, stumpfes Fell, Schwäche oder Teilnahmslosigkeit sprechen für einen deutlichen Substanzverlust. Der Body Condition Score von 1 bis 9 kann bei der Einschätzung helfen, ersetzt aber keine Untersuchung.

Mögliche Ursachen sind Zahnprobleme, Parasiten, Stoffwechselerkrankungen wie PPID sowie Leber-, Nieren- oder chronische Erkrankungen. Hinweise auf Kauprobleme sind Wickelkauen, Futter aus dem Maul, lange Fresszeiten, Mundgeruch oder liegen gelassenes Heu. Hält der Gewichtsverlust an, sollten Zähne, Blutbild, Stoffwechsel und Parasiten tierärztlich abgeklärt werden.

Als grobe Planungsgröße gelten etwa 1,5 bis 2 Kilogramm Trockenmasse je 100 Kilogramm Körpergewicht. Bei 500 Kilogramm entspricht die untere Größenordnung ungefähr 7,5 Kilogramm Trockenmasse. Die tatsächlich sichtbare Heumenge hängt vom Wassergehalt und der Qualität des Heus ab und sollte deshalb nicht nur nach Gefühl bestimmt werden.

Eingeweichte Heucobs, passende Faserprodukte oder eingeweichte Rübenschnitzel können die Raufutterversorgung erleichtern. Sie müssen vollständig weich sein, ausreichend quellen und dürfen nicht trocken verfüttert werden, weil sonst eine Schlundverstopfung begünstigt werden kann. Je nach Kauvermögen braucht das Pferd weiterhin weiche Heuhalme oder eine weitgehend breiige Ration.

Bei häufigem Hinlegen und Aufstehen, Scharren, Schwitzen, Blicken zur Flanke, Wälzen oder fehlendem Kotabsatz muss an eine Kolik gedacht werden. Auch Festliegen, starke Schwäche, auffällige Schleimhäute sowie die Verweigerung von Wasser oder Futter erfordern sofort tierärztliche Hilfe. Bis dahin sollte das Pferd sicher beobachtet und bei Kolikverdacht kein Futter angeboten werden.

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Tags:

pferdezähne pferdefütterung ppid parasiten muskelabbau

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Theresia Burger

Theresia Burger

Mein Name ist Theresia Burger und ich blicke auf 15 Jahre Erfahrung in der Pferdehaltung, Gesundheit und im Training zurück. Meine Leidenschaft für Pferde begann schon in meiner Kindheit, als ich das erste Mal auf einem Pony saß. Diese Faszination hat mich nie losgelassen und motiviert mich, mein Wissen und meine Erfahrungen in diesen Bereichen mit anderen zu teilen. Ich schreibe über Themen, die mir am Herzen liegen, wie die richtige Pflege und Haltung von Pferden, präventive Gesundheitsmaßnahmen und effektive Trainingsmethoden. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen klar und verständlich aufzubereiten, sodass sie für jeden zugänglich sind. Ich recherchiere gründlich, vergleiche verschiedene Ansätze und halte mich über aktuelle Trends und Entwicklungen auf dem Laufenden. Mein Ziel ist es, nützliche und präzise Inhalte zu liefern, die Pferdebesitzern helfen, die bestmögliche Beziehung zu ihren Tieren aufzubauen.

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